Hinter den Kulissen: Wie plant der Pyrotechniker ein Feuerwerk?

Wie plant der Pyrotechniker ein Feuerwerk?

Hinter den Kulissen: Wie plant der Pyrotechniker ein Feuerwerk?

11:13 13 August in Feuerwerk, Pyrotechnik
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Ein Feuerzeug an die Raketenlunte halten und fertig – so stellen sich viele Menschen den Alltag eines Pyrotechnikers vor. Mit Feuerzeugen ist in diesem Beruf allerdings wenig zu wollen, und auch Raketen sucht man hier vergeblich. Stattdessen stehen Know-How, Behördengänge und Computersoftware auf dem Programm. Schon Thomas Edison sagte: „Genie ist ein Prozent Inspiration, 99 Prozent Transpiration.“ Genauso ist auch ein Feuerwerk nicht nur fröhliches Geballer, sondern benötigt eine lange Vorbereitungsphase. Werfen wir doch einen Blick hinter die Kulissen…

Von Paragrafen und Inspiration

Die Planung beginnt bei den Kundenwünschen. Das fängt bei Art und Anlass des Feuerwerks an und hört beim Budget nicht auf. Auch der Abbrennplatz ist ein wichtiger Punkt. Vom vorhandenen Raum hängt nämlich ab, was überhaupt in die Luft geschossen werden darf. Das Sprengstoffgesetz macht dazu recht genaue Vorschriften. Damit niemand Paragrafen wälzen muss, besichtigen wir den geplanten Abbrennplatz im Voraus, um die Möglichkeiten einzuschätzen: Der Untergrund sollte fest und eben sein, sodass die Feuerwerksbatterien stabil stehen. Zudem dürfen sich in unmittelbarer Nähe keine brennbaren Objekte befinden. Reetdächer und Fachwerkhäuser sind gesetzlich geschützt, aber auch das mit Liebe gepflegte Blumenbeet des Nachbarn oder ein reifes Weizenfeld sind bestenfalls suboptimal. Dass wir den Abbrennplatz schon in der Planungsphase begutachten, hat weitere Gründe: Die Örtlichkeiten dienen auch als Inspirationsquelle. Lassen sich umliegende Gebäude erleuchten, von erhöhten Punkten Wasserfälle zünden oder brennende Schriftzüge anbringen? Können wir unterstützendes Bodenfeuerwerk verstecken oder das Feuerwerk von mehreren Standpunkten abschießen?

Sicherheitsabstand beim Feuerwerk, der Standort des Publikums und vieles mehr - das alles muss der Pyrotechniker bei der Planung des Feuerwerks berücksichtigen.

Sicherheit geht vor

Genau so wichtig der Abbrennplatz ist auch der Standort des Publikums – und die Distanz zwischen beiden Punkten. Generell gilt: Je größer der Sicherheitsabstand, desto größere Kaliber können abgeschossen werden. Je nach Kategorie der Feuerwerkskörper schreibt das Gesetz einen Mindestabstand vor. Neben den gesetzlichen Verordnungen müssen aber noch weitere Faktoren wie der Neigungswinkel der Batterien oder die Höhe der Effekte berücksichtigt werden. Schließlich soll sich das Publikum nicht den Hals verrenken müssen, um eine gute Aussicht auf das Spektakel zu haben. Im Zweifelsfall verlegen wir den Abbrennplatz auf eine andere Wiese oder gar auf einen Ponton im Wasser, um für freien Blick zu sorgen. Nun wird für die Anzeige des Feuerwerks bei den zuständigen Behörden noch die Genehmigung des Grundstückseigentümers fällig. Gerade bei großen Veranstaltungen muss oft die Erlaubnis der Stadt eingeholt werden, um auf öffentlicher Fläche ein Feuerwerk abschießen zu dürfen.

Programmieren für die Pyrotechnik

Das Gröbste ist geklärt, nun folgt die Feinarbeit. Passend zum Musikwunsch (und zum Budget) suchen wir Effekte aus und setzen das Feuerwerk Schritt für Schritt zusammen. Hier ist Know-How vonnöten: Die Steigzeiten der einzelnen Feuerwerkskörper müssen einkalkuliert werden, damit Feuerwerk und Musik punktgenau synchron sind. Die meiste Arbeit findet in diesem Schritt am Computer statt. Für größere Feuerwerke werden sogar Programme genutzt, mit denen man das Kunstwerk im Vorfeld simulieren kann, um Optik und Wirkung der einzelnen Effekte zu testen. Der Kunde weiß also genau, womit er seine Gäste am großen Abend überraschen wird. Ein Abbrennplan schließlich legt die technische Umsetzung fest: Was steht wo auf dem Gelände, welche Bombe kommt in welches Rohr, welcher Single Shot kommt in welchem Winkel in welche Halterung, und welcher elektrische Anzünder kommt auf welchen Zündkanal, sodass später auch der richtige Effekt zu sehen ist?

Beim Feuerwerk planen muss der Pyrotechniker auch programmieren können.

In jedem Fall gilt: Ein Feuerwerk plant man nicht mal eben nach Feierabend. Vier bis sechs Wochen Vorlaufzeit sind nötig, bei größeren Feuerwerken sogar einige Monate. Schließlich muss viel organisiert werden, bis der Zeitpunkt zum Zünden gekommen ist. Vom Abbrennplatz über die nötigen Genehmigungen bis zur punktgenauen Programmierung von Effekten und Musik – damit das Feuerwerk zum Highlight Ihrer Veranstaltung wird, gilt es die Ärmel hochzukrempeln. Sie sehen also, mit einem Feuerzeug allein kommt man in diesem Beruf nicht besonders weit!

(Übrigens: Was wir dann am Tag des eigentlichen Feuerwerks noch zu tun haben und was dabei alles schiefgehen kann, erzählen wir hier.)

Sebastian Riethues

info@lightfire-feuerwerke.de

Wir bringen das Feuer ins Feuerwerk: Mit Herzblut und Handwerk veranstalten wir Pyrokunst vom Feinsten. In diesem Blog berichten wir über unsere Arbeit als Pyrotechniker, Feuerwerk und alles, was dazugehört.

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