Von Schwefel, Spuk und Schlachten: Kleine Geschichte des Feuerwerks

Lightfire Feuerwerke präsentiert: Die Geschichte des Feuerwerks

Von Schwefel, Spuk und Schlachten: Kleine Geschichte des Feuerwerks

10:11 08 Oktober in Feuerwerk
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Wo ein Feuerwerk gezündet wird, da gibt es was zu feiern. Dementsprechend positiv fallen auch die Reaktionen des Publikums aus: glänzende Augen, freudestrahlende Gesichter und zum Schluss tosender Applaus für den Pyrotechniker. Das war aber nicht immer so – im Gegenteil…

Fernöstliche Feuerkunst

Rund 1400 Jahre ist es her, dass der zündende Funke für die Erfindung des Feuerwerks schlug. Im fernen China entwickelte der Mönch Li Tian eine besonders findige Methode, bösen Geistern den Garaus zu machen: Er kombinierte Salpeter, Holzkohle und Schwefelsäure in einem Bambusrohr, das prompt detonierte. Damit sorgte er nicht nur in der Geisterwelt für großes Geschrei, sondern hatte auch den ersten Böller erfunden. Es dauerte nicht lang, bis Fürsten und Kriegsherren das explodierende Bambusrohr für sich entdeckten. Feuer schlug nicht nur Geister, sondern auch menschliche Feinde in die Flucht. Als die Mongolen im 13. Jahrhundert in China einfielen, muss das eine feurige Angelegenheit gewesen sein: In ihrem Waffenarsenal befanden sich Brandbomben, Feuerpfeile, Flammenwerfer, Splittergranaten und Feuerlanzen.

Auf nach Europa

Über die Seidenstraße fand das Wissen um Schießpulver und Raketen seinen Weg nach Europa. Auch hier dachte erst einmal keiner daran, Pyrotechnik friedlich einzusetzen. Nachdem der Franziskanermönch Berthold Schwarz um 1353 eine Formel für Schwarzpulver entwickelt hatte, waren europäische Heere bald ähnlich furchteinflößend ausgerüstet wie chinesische. Dank der Vielfalt an Metallen und des Einfallsreichtums der hiesigen Kriegsherren entwickelte man sogar weit gefährlichere Waffen. Über Sieg oder Niederlage entschied damals nicht nur die Schlagkraft des Heeres, sondern auch das Geschick des dazugehörigen Feuerwerkers.

Lightfire Feuerwerke präsentiert: Die Geschichte des Feuerwerks

Glanz und Gloria für die hohen Herren

Nicht nur das Militär, auch der Adel begeisterte sich bald für die Macht des Feuers. Hier ging es um Prestige: Je größer das Spektakel, desto größer Reichtum und Ansehen desjenigen, der es bestellt hatte. Das erste Feuerwerk in Deutschland wurde 1506 von Kaiser Maximilian I. anlässlich des Reichstags zu Konstanz organisiert: Ein bis zur Kante mit Feuerwerkskörpern beladenes Schiff fuhr auf den Bodensee hinaus, die Effekte wurden vom Wasser aus gezündet. Für die Leute damals war das sicherlich genauso beeindruckend wie eine moderne Pyroshow für uns. Bald etablierte sich das Feuerwerk als große Kunst und Wissenschaft. Das beweist das 1529 gedruckte „Feuerwerkbuch“, das erste technische Handbuch für Pyrotechniker. Zwar ging es dem Leitfaden vor allem darum, wie man möglichst große Kanonen mit möglichst starkem Schießpulver baut, um möglichst viele Feinde zu verschrecken. Doch ab dem 16. Jahrhundert wurden Feuerwerke an den Höfen Europas zum richtigen Trend. Geburten, Hochzeiten, Krönungen – kein Anlass ohne Feuerwerk!

Wie die Musik zum Feuer kam

Auch Musikfeuerwerke sind keine moderne Erfindung. Schon im 17. Jahrhundert wurden am Hof des Sonnenkönig Ludwig XIV. Konzerte und Opern mit aufwändiger Pyrotechnik inszeniert. Den Höhepunkt der Verbindung aus Licht und Ton markiert die 1748 von Georg Friedrich Händel komponierte Feuerwerksmusik. Die groß angelegte Uraufführung drohte allerdings in einem Fiasko zu enden: Da es den ganzen Tag geregnet hatte, zündeten die Raketen nicht rechtzeitig, die königlichen Beamten stritten sich darüber derartig, dass sie mit dem Degen übereinander herfielen, und das über sechs Monate in feinster Handarbeit gefertigte Bühnenbild ging aus Versehen in Flammen auf. Was beinah in einer Katastrophe gemündet wäre, kam erstaunlich gut an: Bis heute enden viele Barockfeuerwerke damit, dass die gesamte Kulisse lichterloh in Brand gesteckt wird.

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Je bunter, desto besser

Die Leute von damals konnten gar nicht genug bekommen: 1700 gingen in Versailles zur Feier der Hochzeit des königlichen Erben 20 000 Raketen und 6000 Feuertöpfe in die Luft, und unter August dem Starken wurden regelmäßig stundenlange Feuerwerke gezündet. Mit dem farbenfrohen Spektakel von heute hatte das allerdings wenig gemeinsam. Statt roter, grüner und blauer Effekte gab es vor allem Feuerwerkskörper in gewöhnlichem Orangerot. Erst mit dem Fortschritt von Wissenschaft und Technik im 18. und 19. Jahrhundert kam die Farbe ins Feuerwerk: Je mehr man von der Chemie verstand, desto bunter wurden auch die Funken. Ammonium-, Kupfer- und Metallsalze, Kaliumchlorat, Aluminium und Magnesium – die Liste der Zutaten wurde lang und länger. Da den hohen Herren das Geld ausgegangen war, schrumpften die bis dahin gewaltigen Feuerwerksaufführungen bei Hof allerdings auf eher überschaubare Veranstaltungen zusammen. Ein mehrstündiges Feuerwerk erwartet heute niemand mehr – dafür sind die Ansprüche an Effekte, Farben und Choreographie aber umso höher.

Aus China über die Seidenstraße bis nach Europa, vom Schlachtfeld über die Adelshöfe bis zu öffentlichen Events – das Feuerwerk hat einen langen Weg zurückgelegt. Doch egal ob zu Silvester, einer Hochzeit oder einem Großereignis: Heute ist es nicht mehr wegzudenken!

Sebastian Riethues

info@lightfire-feuerwerke.de

Wir bringen das Feuer ins Feuerwerk: Mit Herzblut und Handwerk veranstalten wir Pyrokunst vom Feinsten. In diesem Blog berichten wir über unsere Arbeit als Pyrotechniker, Feuerwerk und alles, was dazugehört.

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